Samstag – Vorlesungen


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14:00 Uhr Türöffnung, Einschreiben in die Vorlesungen
14:30 Uhr Eröffnungsworte Ringvorlesung – 
          Problemanalyse der eritreischen Diaspora, 
          Filme. Vier Essayistische Podien zu den Themen: 
          1. Medien & Vor-Urteile, 2. Macht & Gesetz, 3. starke Frauen, 4. Integration & Kultur
14:55 Uhr Podium: Medien & Vorurteile mit Yonas Gebrehiwet, Karin Frei, Tina Adomako
16:20 Uhr Podium 2:- Macht & Gesetz mit Merachew Berhe, Lea Hungerbühler und Habtom Yohannes
17:30 Uhr Eritreische Köstlichkeiten
18:50 Uhr Interkulturelles Theater von FutStep: F.E.A.R. (Facing Everything and Rise)
19:35 Uhr Podium 3: Starke Frauen mit Pheben Asghedom, Dr. Almaz Zerai, Yvonne Feri
20:50 Uhr Podium 4: Kultur & Integration mit Fana Asefaw, Sukran Karabacak, Jovita Pinto 
22:00 Uhr Türschliessung

Für Kinder ab 4 Jahren  gibt es von 14:00 – 19:00 Uhr Kinderbetreuung in der Campus-Kita mit der Pfadi Uster

Besuchen Sie die Ringvorlesung: Bekannte Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Perspektiven aus der schweizerischen Gesellschaft analysieren auf vier aufeinanderfolgenden Podien die Schwierigkeiten und Chancen von Exil-EritreerInnen in der Schweiz mit Ausblick auf die Vision der Eritreischen Diaspora Akademie.

Moderation: Katharina Morello, www.morello.ch

Experten werden laufend angekündigt!

Vorlesung 1: MEDIEN & (VOR-)URTEILE

Männlich, faul, sozialhilfebeziehend und nicht integrierbar? Das Medienbild, das über EritreerInnen vermittelt wird, ist undifferenziert und entmutigend. In vier von fünf Berichten wird zu- dem über sie und nicht mit ihnen gesprochen, wobei dann meist noch alle eritreischen Frauen und Kinder vergessen gehen. Die Signale, welche die Medienwelt dadurch sendet, schaffen Vorurteile und Angst zwischen SchweizerInnen und EritreerInnen. Dadurch wird Integration erschwert. Das Gegenteil soll möglich werden: Kommunikation auf Augenhöhe, wo zugehört wird und jeder zu Wort kommt. Wie können wir Plattformen schaffen, wo miteinander geredet statt übereinander berichtet wird?

Yonas Gebrehiwet (*1996), Aarau, Herbst 2014: Ein eritreischer Asylbewerber attackiert in Aarau eine Frau. Danach ändert sich das Bild der Eritreer*innen, das von den Schweizer Medien transportiert wird: „Die Berichte und Kommentare über eritreische Flüchtlinge wurden sehr negativ. Leider hat man über uns geschrieben, ohne mit uns zu sprechen.“ Das wollte Yonas Gebrehiwet ändern und wurde selbst aktiv. Eine Kolumne im Saiten-Magazin, Diskussionssendungen, Interviews und Berichte in Fernsehen und Zeitungen folgen. Mittlerweile kennt sich der ausgebildete Textiltechnologe gut aus im Umgang mit den Schweizer Medien. Von dieser Erfahrung und davon, welche Bedeutung und Ziele die Zusammenarbeit zwischen Medien und Migrant*innen hat, weiss der Neunzehnjährige, der selbst erst vor 5 Jahren in die Schweiz gekommen ist Unter anderem war er bei „SRF Club“ und in der „Tagesschau“ zu sehen und verfasst eine Kolumne im Saiten-Magazin.

Ein kritischer Text zu einem seiner Auftritte: Graue Herren und ein Vorzeige Flüchtling, Saiten.ch
Seine Kolumne im Kulturmagazin Saiten.ch: Die Macht der Medien, Saiten.ch

Studien zu Medien und Migranten:  Ohne Gesicht, Schweizer Journalist

 

Karin Frei (*1969), ist Redaktionsleiterin und Moderatorin des «Club» beim SRF. Erfahrungen in der Medienarbeit und mit medialer Diskussionskultur sammelt Sie bereits seit den neunziger Jahren. Davor hat Sie europäische Ethnologie, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte und Völkerrecht in Zürich studiert. An Ihrer Arbeit beim „Club“ fasziniert es Sie, mit Menschen aus allen Schichten und Bereichen, die für sie wichtigen Themen so zu diskutieren, dass Zusammenhänge klar werden und neue Einsichten entstehen. Das Thema der Migration ist heutzutage sehr präsent in den Medien, und findet auch sie essentiell in ihrer Arbeit zu beleuchten/und beschäftigt auch sie in ihrer Arbeit.

http://www.srf.ch/sendungen/club/sendungsportraet

SRF Club vom : Eritrea doch nur halb so schlimm?

 

Tina Adomako, ist freie Journalistin und Vorstandsmitglied der Neuen deutschen Medienmacher. Dies ist ein Zusammenschluss von Medienschaffenden mit unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Kompetenzen und Wurzeln, welches sich für mehr Vielfalt in den Medien einsetzt. Tina Adomako verbrachte unter anderem viele Jahre als Redakteurin beim Fernsehsender RTL in Köln. Heute betreibt sie eine Text- und PR-Agentur in Düsseldorf. Sie schreibt u.a. über Fragen der Gleichstellung, Staatsangehörigkeit und der Integration in Gesellschaft, Politik und in Betrieben. Zudem bietet sie als Bildungsreferentin im Rahmen des von Engagement Global geförderte Programms “Bildung trifft Entwicklung” Seminare zu den Themen Fairer Handel, Flucht, Migration & Integration sowie über die Lebensbedingungen von Menschen in Westafrika an.

Website 

 

Vorlesung 2: LAW & POWER (auf englisch)

In der Schweiz gab es eine Untersuchung der eritreischen Botschaft von der FedPol über die Eintreibung der 2-% Steuer. Die holländische Regierung spricht von Integrationsverhinderung durch “den langen Arm der Eritreischen Diktatur”. Die politische Neutralität von Asyl-DolmetscherInnen wird angezweifelt und  strukturelle Hürden im Asylland, erschweren die Integration. Was hat es mit dem langen Arm der Diktatur  auf sich? Und inwiefern ist die Schweiz davon betroffen?

Tagesanzeiger: FedPol ermittelt gegen eritreische Botschaft
Human Rights Concern Eritrea: The Long Arm of the Eritrean Regime – Offical Dutch Report

Habtom Yohannes, is a Dutch journalist of Eritrean origin. He is also (guest) lecturer in international relations, media and ethics. Besides journalism, he has studied International Relations with Policy, Governance and Political Economy as major. He is an Affiliate member of the African Studies Center of the University of Leiden (ASC). His main focus area is: Eritrea, Ethiopia and the rest of the Horn of Africa.. For the last 20 years he has worked as a journalist for various stations of the Dutch public broadcasting organization. Yohannes Habtom has a long history of political activism. He was involved in the Eritrean struggle for independence, especially with the EPLF, the predecessor of the PFDJ, since he was 14. Later after he fled to The Netherlands, he was chairman of the EPLF-Chapter in Utrecht. Yet, he was always critical towards the leadership. After independence he was secretary of the Dutch-Eritrean committee that worked closely with the Eritrean Consitution Commission that drafted the first Eritrean Constitution of 1997.  This was ratified in 1997 but never implemented. After the boarder war of 1998, Habtom worked hard to mediate between the two countries. He mobilized more than 32 laureates and international leaders like Archbischop Desmond Tutu, President Olesegun Obsanjo of Nigeria and US-defence secretary Robert McNamara to sign a Letter: Call for Peace. This letter was delivered to both the late Ethiopian Prime Minister, Mr. Meles Zenawi and President Isaias Afwerki of Eritrea. Both leaders reacted positively. The same letter was published in the International Herald Tribune on December 17, 1998.

Lea Hungerbühler is a Swiss attorney-at-law specialised in banking & finance. Additionally, she works as a criminal judge at the criminal court of the canton of Basel-Landschaft. At foraus, the Swiss think tank for foreign policy, she is head of the program “Financial Center”. Among other articles she has also published on Eritrea-related policies of Switzerland with foraus. Hungerbühler is personally involved as legal advisor for asylum seekers. Currently she is building up a Swiss non-government organization (AsyLex) providing free legal advice to people who had to flee their country

Read the article here:  Fragwürdiges Eritrea-Urteil bringt nur Verlierer

Merachew Berhe, is a Swiss of Eritrean origin from Geneva. He is Economist (MA, Quantitative Methods UNIGE) and works at Department of Finance – Geneva Canton. He is a Human Rights activist, a founding member of Eritrean civil society – Eritreans for Peace and Democracy and a founding member of Swiss-Eritrea Association active in providing integration services for recently arrived Eritrean refugees. He is a former Chairman of Network of Eritrean Civil Societies in Europe (NECS-Europe).

Insight into his work: Awate.com: A Citizen’s Approach Citizen’s Initiative for the Salvation of Eritrea

Eritreans for Peace and Democracy receives a letter from foreign Minister of Switzerland    

L’hebdo:Les Erythréens fuyant la Libye gagnent la Suisse

Swiss-Eritrea Society: Swiss-Eritrea Association in Geneva Holds 2nd Congress

 

Vorlesung 3: STARKE FRAUEN

Der Eindruck, es kämen nur Männer, trügt. Es wird zwar ständig von Eritreern gesprochen, doch unter den Vorläufig Aufgenommenen und Personen mit Aufenthaltsbewilligung sind fast genauso viele Frauen. In der Schweiz angekommen stehen diese unter mehrfacher Diskriminierung: als Asylsuchende und als Frau, gesellschaftlich und abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit. Wie können wir die Bedürfnisse der eritreischen Frauen sichtbar machen? Diskutiert wird über Empowerment und Gleichstellung von Mann und Frau.


Pheben Asghedom (*1966)Kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten von eritreischer und schweizerischer Kultur. Sich in die Augen schauen beim Sprechen? Dass das nicht so selbstverständlich ist, wie Leute denken mögen, und wie kulturell bedingte Verhaltensweisen Integrationsprozesse beeinflussen – das weiss Pheben Asghedom. Die Ethnologin leitet in Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen –unter anderem der AOZ und dem National Coalition Building Institute (NCBI) – Integrationskurse und begleitet vor allem Tigrinya sprechende Familien in ihrem Integrationsprozess. Dabei ermöglicht ihr ihre Arbeit und ihr eigener Hintergrund als Migrantin, die 1979 aus Eritrea in die Schweiz gekommen ist, ein vertieftes Verständnis der generellen, aber auch der spezifischen Schwierigkeiten, die Eritreer*innen nach der Ankunft hier erfahren.


Yvonne Feri (*1967), SP-Nationalrätin, lebt mit ihren zwei Töchtern in Wettingen. Sie war unter anderem Geschäftsleiterin des Hilfswerks Terre des Femmes, ist heute Geschäftsführerin der Stiftung Freiheit und Menschenrechte, war nebst vielen weiteren Präsidien auch vier Jahre lang Präsidentin der SP Frauen Schweiz. Im Frühjahr 2016 nahm sie an der PolitikerInnen-Reise nach Eritrea teil. Am 15. März 2017 wurde ihr Postulat im Nationalrat angenommen, dass vom Bundesrat verlangt, die Situation von Flüchtlingsfrauen in der Schweiz zu analysieren. Flüchtlingsfrauen seien besonders sexueller Gewalt, Belästigung und Ausbeutung ausgesetzt, sagte Feri. Das gelte nicht nur im Krisengebiet, aus dem sie fliehen würden, sondern auch während der Flucht und sogar im Land, in dem sie Asyl beantragten. Urheber der Gewalt seien unter anderem Schlepper und andere Flüchtlinge. Unter anderem schlägt Feri vor, dass diese Frauen bei Problemen Opferhilfestellen aufsuchen könnten. Zusätzlich setzt sie sich u. a. ein für Bildung, Gleichstellung und eine menschliche Asylpolitik.

Das Postulat: Mehr erfahren…

Website: www.yvonneferi.ch


Almaz Zerai, Ärztin und Aktivistin im „Network of Eritrean Women“. Zerai, die selbst als junge Frau nach Deutschland geflohen ist, weiss aus Eigenerfahrung was es für erfolgreiche Integration braucht: „Integration ist ein beidseitiger Kommunikationsprozess“. In zahlreichen öffentlichen Auftritten nimmt die gebürtige Eritreern eine regiekritische Haltung ein und informiert die Öffentlichkeit über die politische Situation in Eritrea. Gleichzeitig setzt sich Zerai auch medial dafür ein, dass ihre Landsleute differenziert vertreten werden, etwa letztens im SRF Club. Das “Network of Eritrean Women” ist eine europaweite Dachorganisation, die für einen politische Wechsel einsteht, der Frauen miteinbezieht und ihnen die gleichen Rechte und Sicherheit gewährt.

Facebook: Network of Eritrean Women
Ihr Auftritt im Zischtigs Club SRF: Sorgenkinder Eritreer – die Flüchtlinge aus zwei Blickwinkeln


Vorlesung 4: INTEGRATION & KULTUR

Oft haben EritreerInnen ein schwaches Selbstbewusstsein und sind ernüchtert von der Realität. Es fehlen ihnen Rechte und ihre Fähigkeiten werden nicht zertifiziert. Dazu kommt eine zerstrittene Diaspora und die Unstimmigkeiten zwischen den Generationen. Über Hindernisse und Schwierigkeiten von Integration: was können EritreerInnen tun? Und was kann der Beitrag von SchweizerInnen sein?

Fana Asefaw, ist leitende Ärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Winterthur. Wo ist Heimat, wenn man in verschiedenen Ländern gelebt hat? Mit dieser Frage beschäftigt sich unter anderem Fana Asefaw. «Die Heimat liegt in dir selbst.» Aber die Identitätsfindung ist schwierig bei fehlender Integration und bei Missverständnissen zwischen Kulturen. Darum arbeitet sie als Brückenbauerin indem Sie kulturelle Barrieren abschafft. Fana Asefaw hält zum Beispiel Trauma-Sprechstunden für Asylsuchende sowie transkulturelle Gruppenstunden, bei dem unter anderem über Sexualität und weibliche Genitalbeschneidung gesprochen wird und ermöglicht eritreischen Frauen Zugang zu medizinischem Wissen und sich über sich selbst auszusprechen.

Links:

Fana Asefaw im SRF Report: Eritreer besser verstehen

Im NZZ Portrait: Barrieren abbauen

Sükran Karabacak (*1957), ist türkischer Herkunft, lebt bereits seit 32 Jahren in der Schweiz. Sie absolvierte in der Türkei das Lehrerseminar und begann das Studium in Agronomie. Dies durfte sie wegen politischen Gründen nicht abschliessen. In der Schweiz lernte sie zusätzlich schulische Heilpädagogik und Sozialarbeit, und ist für Elternbildung im eigenen Kulturkreis und interkultureller Dolmetscherarbeit zertifiziert. Ihre soziale Ader und ihr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn bringt sie dazu sich auch freiwillig politisch zu engagieren. Sie widmet sich vor allem den Themen Migration und Recht, da ihr Emanzipation wichtig ist. Dies setzt sie um, indem sie sich aktiv in der ASZ (Autonomen Schule Zürich) engagiert.

Artikel in der Papierlosenzeitung: Ein Buch, auf dessen Rücken sich Lebendigkeit und Lebensende treffen.

Jovita Pinto dos Santos (1984), ist Doktorandin und
wissenschaftliche Assistentin beim Interdisziplinären Zentrum für
Geschlechterforschung an der Universität Bern. Davor studierte sie Geschichte, Sozialanthropologie und Portugiesische Sprach- und Literatur.
Hauptsächlich forscht sie zu Postkolonialismus und diversen
überschneidenden Formen von Alltagsdiskriminierung. Jovita dos Santos Pinto hat bereits bei mehreren Publikationen und Vorträge mitgewirkt, wo sie sich ausgehend von Schwarzen spezifisch mit diesen Themen in der Schweiz auseinandergesetzt hat. Zudem engagiert sie sich persönlich gegen Rassismus und Sexismus. Sie war lange Mitarbeiterin der Zeitschrift Rosa, die sich mit Sexismus auseinandersetzte und ist Mitbegründerin von Sankofa – Plattform für Menschen mit afrikanischem Hintergrund. Seit 2013 ist sie bei Bla*Sh aktiv. Das Deutschschweizer Netzwerk bringt Schwarze Frauen zusammen, welche die Erfahrung teilen den „Afro Bindestrich“ zu tragen und welche gemeinsam mit vielen verschiedenen Projekten die gesellschaftliche Emanzipation anstreben.

Links:

„Integrationsillus(trat)ionen“ – Einen kritischen Beitrag zur zürcher Integrationskampagne: Academia

Beitrag im Schweizer Radio zu Rassimus in der Schweiz: Rassismus im Schweizer Alltag 

Vice: Interview zu Schwarzem Feminismus:

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