Frauen auf der Flucht


Notizen zum Amnesty Hochschul-Podium “Weibliche Flüchtlinge – Herausforderungen in der Schweiz”, 9. März 2017, Universität Zürich, Zürich.

Weibliche Flüchtlinge sind auf mehreren Ebenen und zu jeder Zeitetappe benachteiligt, respektive eine verletzliche Gruppe. Dabei wird hier spezifisch auf die Frauen aufmerksam gemacht, was nicht ausschliesst, dass auch Männer ähnliche Benachteiligungen erfahren. Folgende Punkte spezifizieren die vulnerable Situation der Frauen:

  • Auf der Flucht selber, da sie als “Familienoberhaupt” fungieren. Sie müssen Entscheidungen treffen, die sonst als Familie oder der Mann übernimmt. Die Ehemänner sind oft bereits vorher geflüchtet, um Asyl zu beantragen und hoffen dann auf Familiennachzug. Auf der Flucht müssen sie die Kinder versorgen und mit der Ungewissheit der Zukunft leben.
  • Die prekäre Situation in Flüchtlingscamps in Griechenland: Es gibt oft keine Privatsphäre in den Zelten und die Situation ist ungewohnt. Zudem gibt es keine Dolmetscher, um die medizinische Versorgung der Kinder zu verlangen und nur sehr schlechte hygienische Versorgung (beispielsweise fehlt es oftmals an spezifischen Hygieneprodukten wie Menstruationsbinden)
  • Die Gefahr sexueller Übergriffe besteht während allen Etappen, etwa in den Flüchtlingslagern (durch Aufseher beispielsweise) und generell auf der Flucht. In der Schweiz angekommen, haben Frauen, die mit sexuellen Übergriffen im Heimatland oder auf der Flucht zu tun hatten, Probleme darüber zu sprechen. Einerseits durch Traumata, gleichzeitig aber auch durch Schamgefühl und Unsicherheit darüber zu sprechen, da sie befürchten, deswegen von der Familie oder Diaspora verstossen zu werden.
  • Die Aufnahmezentren werden den Bedürfnissen der Frauen nicht gerecht, so dass Frauen und Männer sich Duschen und Toiletten teilen müssen. Zudem fehlt es in den Asylunterkünften in der Schweiz an qualifizierten Ansprechpersonen, um über das Trauma und die sexuellen Übergriffe zu reden. Die erste Anhörung im EVZ finden sehr oft nur oder grösstenteils in Anwesenheit von Männern statt. Das erhöht, aus oben genannten Gründen, die Schamgrenze der Frauen über die Übergriffe zu sprechen.
  • Frauenspezifischen Fluchtgründen wird theoretisch Rechnung getragen, doch nur selten kommen diese zum Ausdruck, da sie nicht ausgesprochen oder nicht wahrgenommen werden.

Fazit: Die Liste der Unsicherheiten, Benachteiligungen und Schwierigkeiten für Frauen auf der Flucht und im Asylverfahren in der Schweiz ist lang. Wenige davon werden von Organisationen oder Behörden überhaupt wahrgenommen, geschweige denn nach Lösungen gesucht. Eine einfache und generelle Lösung wird es auch nicht geben, da jede Flüchtlingsfrau ihre eigene und individuelle Geschichte mit sich bringt.

Deshalb fordern wir:

  • Aufenthaltssicherheit
  • Bessere psychologische und ärztliche Betreuung für Frauen, die es den Frauen ermöglicht, Probleme und Bedürfnisse anzusprechen.
  • Beratung über Rechte und Pflichten, darüber hinaus Familien- und Laufbahnberatung, um die Frauen aus der “Blase der Ungewissheit” zu holen und die Integration zu erleichtern.
  • Sensibilisierung auf frauenspezifische Fluchtgründe und sexuelle Gewalt, dazu Information und Aufklärung zu  Fragen der Sexualität